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Ein Hoch auf den Biber!

14. Mai 2025 | Neue Wege Denken, Naturschutz, Flüsse & Gewässer

Es gehört in Süddeutschland mittlerweile schon zum guten Ton, über den Biber und die vielen Schäden, die er verursacht, zu schimpfen. Und gerne ist man auch gleich mit ein paar Zahlen zur Hand, was er für Kosten verursacht.

Bildquelle: Majid Alani

In der Tat: Der Biber fällt Bäume. Der Biber baut Staudämme und setzt damit rechts und links vom Bach alles unter Wasser. Der Biber gräbt seine Bauten in die Uferböschung und macht sie dadurch einsturzgefährdet.

Den Biber gibt es in Deutschland seit 15 Millionen Jahren. Zum Vergleich: Zu dieser Zeit sind die Geschöpfe, aus denen sich mal der sogenannte Homo sapiens entwickeln wird, in Afrika auf irgendwelchen Bäumen gesessen und haben Früchte gemampft.

Diese Affen haben es dann 15 Millionen Jahre später geschafft, den Biber in Deutschland für hundert Jahre fast gänzlich auszurotten. Diese kurze Zeitspanne wurde genutzt, um sämtliche Fließgewässer in Besitz zu nehmen, gründlich umzubauen und jeden Quadratzentimeter rechts und links vom Bach für sich zu beanspruchen. Jetzt ist der Biber wieder zurück - und stört, meistens überall. Das Gemotze über den Biber erinnert ein wenig an ein Kindergartenkind, das im Sandkasten sitzt und schreit „Alles meins“ und um sich schlägt. Und der Biber macht das, was die anderen Kinder eben auch tun: Er kümmert sich nicht drum. Ein Hoch auf den Biber!

Ja, der Biber verursacht uns oft Probleme. Dafür gibt es ein Bibermanagement, das sich für Lösungen für beide Seiten einsetzt. Dafür ist Kompromissbereitschaft notwendig.  Ein gutes Instrument zum Beispiel ist der zehn Meter breite Gewässerrandstreifen, wenn er denn eingehalten wird. Denn dort spielt sich die meiste Biberaktivität ab.

Wer es unbedingt in Zahlen sehen will, darf sich gerne mal die Mühe machen und ausrechnen, wieviel Kosten der Biber für Schäden an menschlichem Hab und Gut verursacht. Und dann darf man auch gerne mal ausrechnen, wie wieviel Geld für die Verbauung praktisch aller nennenswerter Fließgewässer in Deutschland ausgegeben wurde. Und als nächstes, wie viel Geld jetzt ausgeben wird, um diese Schäden wieder auszugleichen, zum Beispiel um Fließgewässer wieder naturnaher zu bekommen, damit sie wieder Lebensräume werden können. Und vergessen wir nicht die Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser, die uns durch Klimawandel und schlecht gemachten Wasserbau bedrohen. Und wem das noch nicht reicht, kann auch noch die Ökosystemleistungen, die der Biber uns kostenlos bringt, ausrechnen. Mal sehen, wer bei dieser Rechnung verliert…

Oder wir können unsere Zeit besser nutzen und uns die bezaubernde Reportage vom Staudammprojekt in Tschechien anhören, zu finden unter  https://www.tagesschau.de/ausland/europa/biber-staudamm-tschechien-100.html

Oder noch besser: Uns in der Abenddämmerung ans Bachufer setzen und warten, ob man nicht einen Blick auf den Biber erhaschen kann. Denn die Erfahrung lehrt, einen Feind, den man kennengelernt hat, kann man oft nicht mehr hassen.

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