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Der perfekte Kreislauf

Cradle-to-cradle (kurz: C2C) heißt auf Deutsch eigentlich so viel wie: „Von der Wiege zur Wiege“. Es ist ein Prinzip, das den „perfekten“ Kreislauf beschreibt. Denn in diesem radikalen Kreislauf entsteht am Ende kein Müll. Entwickelt wurde das Konzept durch den deutschen Chemiker Braungart und den US-amerikanischen Architekten McDonough im Jahr 2002. Das Cradle-to-Cradle-Prinzip – von der Wiege in die Wiege – orientiert sich dabei an der Natur. Denn biologische Kreisläufe lassen keinen Abfall zurück.

Dies steht im vollem Gegensatz zu unserem heutigen Produktionssystem. Unsere Abfallwirtschaft „Cradle-to-Grave“ basiert darauf, dass am Ende der Produktionskette Müll entsteht und zu Beginn immer neue Rohstoffe benötigt werden. Das Problem an der jetzigen Abfallwirtschaft ist, dass Ressourcen und der Lagerplatz des entstandenen Mülls begrenzt sind.

 

Denken in Kreisläufen:

Cradle-to-cradle funktioniert in dem Sinne ähnlich, wie die ökologische Landwirtschaft. Nicht nur der erste Nutzen darf im Mittelpunkt stehen, sondern auch die Verwendung der Rohstoffe nach der Nutzung. Hier spielt Recycling eine essentielle Rolle. Kostbare verwendete Ressourcen werden nicht weggeworfen, sondern wiederverwendet.

Beim "Cradle-to-Cradle“-Prinzip wird zwischen zwei Kreisläufen unterschieden, dem biologischen Kreislauf und dem technischen Kreislauf. Jeder Kreislauf muss ein in sich geschlossener Prozess sein. Zum Beispiel landen nach diesem Prinzip organische Bestandteile auf dem Kompost und damit wieder in der Natur. Gebrauchsgüter werden in chemischen oder mechanischen Prozessen wiederverwertet. Damit die Produkte vom Verbraucher wieder zum Hersteller zurückgelangen, bräuchte man, z.B. ein Pfandsystem oder eine Form des Leasings.

Braungarts Idee ist radikal revolutionierend und würde eine Welt –in Kreisläufe gedacht- ohne Müll bedeuten.

 

Kritik:

Kritiker hegen eine große Skepsis gegen das von Braungart entworfene System: Es sei zu radikal, zu kostenintensiv und nicht für alle Produkte umsetzbar. Zudem soll sich Braungart nicht gut genug mit Produktionsketten beschäftigt haben. Es entsteht auch Müll durch Staub, Abwasser oder Strahlungswärme... Diese Faktoren sind fast unmöglich mit einzubeziehen und macht es schwer den "perfekten" Kreislauf aufrechtzuerhalten. Doch geht es bei radikalen Ideen vielleicht nicht immer um die "perfekte" Umsetzung, sondern um die Idee selbst und das Potential, welches in ihr steckt.

 

Zukunft der perfekten Kreisläufe?

Trotz der harten Kritik an Cradle-to-Cradle finden sich in der Industrie zahleiche Partner*innen, die sich an der Umsetzung versuchen. In der Textilindustrie in Deutschland entwickelte unter anderem der Hersteller Trigema kompostierbare Kleidung. Der Reinigungsmittelproduzent Frosch bietet einen Badreiniger nach dem Prinzip an. Zudem gibt es weitere Produkte nach diesem Prinzip, wie Teppiche, Bürostühle, Toilettenpapier, Fliesen und vieles mehr. Insgesamt haben (Stand 2014) mehr als 150 Unternehmen über 400 Produkte nach den Kriterien von Cradle-to-Cradle auf den Markt gebracht. Seither kommen stets weitere dazu.

So ist das Prinzip, schrittweise angewendet, eine echte Bereicherung für eine nachhaltiger gedachte Wirtschaft. Zudem leben wir in einer Welt, in der die Rohstoffe immer knapper werden. Früher oder später wird der „teure Recyclingprozess“ günstiger sein, als die Gewinnung schwindender Ressourcen.

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