BUND zum Citybahnhof: „Zurück zu den Wurzeln!“

Aktion "Bäume für die Bahnhof-City" von BUND und NABU in Ulm
Wohin geht die Reise am neuen Ulmer Bahnhofsareal? - In eine baumlose und zubetonierte Zukunft? - Nach bisheriger Planung wächst dort künftig weit und breit kein richtiger Baum mehr!

Die vom BUND und NABU seit November 2013 durchgeführte Unterschriftenaktion für die Pflanzung von Großbäumen auf dem neuen Ulmer Bahnhofsvorplatz hat sich zu einer echten Bürgeraktion entwickelt. Über 2.600 Menschen, vorwiegend aus Ulm und Neu-Ulm aber auch aus der näheren und weiteren Umgebung, sprechen sich mit ihrer Unterschrift dafür aus, bei der Neuplanung des Platzes auch große Bäume zu berücksichtigen. Die Unterschriften wurden am 28. Januar 2014 dem Ulmer OB übergeben. Pressemitteilung vom 28.01.14

BUND-Stellungnahme zum Citybahnhof:
Mit großer Besorgnis sieht der Ulmer BUND die jüngst vom Gemeinderat gefassten Beschlüsse. Diese verwässern die Planung, die einst zu viel Hoffnung Anlass gab. Wir sagen: Zurück zu den Wurzeln! Denn für uns ist der Ulmer Hauptbahnhof und dessen unmittelbares Umfeld die zentrale Verkehrsdrehscheibe in der Region. Sie sollte vorrangig für die Nutzer von Bahn, Straßenbahn und Bus sowie Fußgänger und Radfahrer optimiert werden.

Wir appellieren an den Gemeinderat, die jüngst gefassten Beschlüsse zu überdenken: Eine Tiefgarage mit 800 Stellplätzen ist in diesem Umfang nicht nötig – und in der Friedrich-Ebert-Straße brauchen wir auf Dauer keine vier Spuren, wenn die Tiefgarage mal in Betrieb ist. Seit über 20 Jahren will man mit dem Verkehrsentwicklungsplan in Ulm die „stufenweise Reduktion des motorisierten Individualverkehrs und Verlagerung von Verkehr auf den Öffentlichen Personennahverkehr, den Fußgängerverkehr und Radverkehr“ erreichen – aber so nicht!

Die durchgeführte Bürgerbeteiligung wird ad absurdum geführt, wenn jetzt überraschend derartige Beschlüsse gefasst werden, die im Widerspruch zur bisherigen Planung stehen. Der Grundgedanke der Citybahnhof-Idee war, den Bahnhof näher an die Innenstadt anzubinden und eine fußläufige Verbindung zu erleichtern. Bleibt es auf der Friedrich-Ebert-Straße bei vier Autospuren, wäre dieses Ziel verfehlt. Wir verweisen auf das Beispiel Neue Straße, wo ein Rückbau und eine fußgängerfreundlichen Lösung ohne Verkehrskollaps gelungen ist!

Nachdem sowohl bei den Sedelhöfen als auch in der Schillerstraße in großem Stil weitere Parkmöglichkeiten geschaffen werden, wird es letztlich deutlich mehr Stellplatzkapazitäten geben als vorher. Dabei muss die Option „mit dem Auto zum Bahnhof“ vor dem Hintergrund des geplanten und auch notwendigen Ausbaus von S-Bahn-, Straßenbahn- und Radwegenetz zur Ausnahme werden! Wir fordern, die Kapazität der Tiefgarage auf höchsten 400 Stellplätze zu reduzieren und die Friedrich-Ebert-Straße auf zwei Fahrspuren rückzubauen.

Der frei werdende Platz vor dem Bahnhof wird dringend benötigt – für wartende Fahrgäste vor dem Bahnhofsgebäude, an der Straßenbahn- und Bushaltestelle, aber auch für die Pflanzung von Bäumen. Denn der gesamte Bereich vor dem Bahnhof zählt zu den trostlosesten Flächen in Ulm. Diese erhitzen sich zudem gerade bei Temperaturen wie derzeit schon am Vormittag unnötigerweise. Schatten spendende Bäume wären ein Segen für alle, die auf dem Platz verweilen oder ihn queren müssen – eine Wohltat für Gesundheit und Auge.

Die Fußgänger müssen bequem Bahnhofsvorplatz und Friedrich-Ebert-Straße über- wie unterqueren können. Dazu muss die Straßenbahn- und Bushaltstelle nach Süden verschoben und die Unterführung sehr transparent und völlig barrierefrei ausgeführt werden. Wie Teile des Ulmer Einzelhandels und die IHK sorgen auch wir uns darum, dass zukünftig Fußgänger vom Bahnhof aus vorrangig in die Bahnhofstraße geleitet werden und nicht in die neu entstehenden Sedelhöfe.

Unabhängig davon bleiben für uns die vollständige Durchbindung der Unterführung unter den Bahngleisen zur Schillerstraße sowie der Bau von Verbindungen zwischen den Bahnsteigen und dem neu errichteten Fußgängersteg Oberziele des Citybahnhof-Projektes. Außerdem darf unsere Idee, den so genannten Posttunnel zu erhalten und zur nördlichen Schillerstraße zu verlängern, nicht aus dem Blick geraten. Damit hätten wir nicht nur eine tolle Ost-West-Verbindung für Radfahrer, die an die bestehende Fahrradachse durch die Neustadt anschließt. Es könnten auf diese Weise zudem Fußgänger- und Fahrradverkehr entflochten werden und Konflikte zwischen beiden deutlich verringert werden.





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