„Die grüne Blau“ - Fluss der Erlebnisse

Blau, Große Blau, Kleine Blau, Blaukanal  – dieser Fluss, der sich in Ulm gleich mehrfach zeigt, gehört zum Schönsten, was diese Stadt an lebendigen Landschaftserlebnissen zu bieten hat. Sie sind nicht zuletzt Ergebnis des über viele Jahre verfolgten städtischen Blau-Konzepts. Das vom BUND angestoßene Buch zieht eine Zwischenbilanz der Maßnahmen, stellt die Blau in all ihren Fassetten vor und gibt Tipps für spannende Entdeckungs-Touren.

Die Blau ist, wenn man es absichtsvoll nüchtern betrachtet, „Ulms längster Landschaftspark“, und weniger nüchtern: ein Freizeit-, Erholungs- und nicht zuletzt ökologischer Rückzugsraum von hoher Attraktivität. Zugleich ist die Blau ein Stück Stadtgeschichte; seit dem Mittelalter haben die Söflinger und die Ulmer an diesem Fluss gearbeitet: Müller, Gerber, Garnsieder, Sägereibeschäftigte. Die Blau war wichtigster Energielieferant der Reichsstadt und wurde mit Hilfe eines ausgetüftelten Systems entsprechend genutzt. Wie die Perlen an einer Kette säumten Mühlen ihren Lauf. Doch die Blau hatte und hat auch ihre Tücken und Launen. Seit jeher stellt sie die Wasserbauer vor die Aufgabe, die Gefahren von Überschwemmungen einzudämmen und nach Möglichkeit völlig zu vereiteln.

Die Blau hat sich immer wieder verändert, und sie wurde es – in positiver Form in den zurückliegenden 25 Jahren. Initiiert durchs Bau- und Umweltdezernat der Stadt Ulm, sind zwischenzeitlich an vielen Stellen, mal punktuelle, mal abschnittweise, Maßnahmen der Aufwertung und Renaturierung umgesetzt. Zentrales Anliegen dieses Bands ist es, das so vielgestaltige „Blauprojekt“ ins Bewusstsein der Stadtbevölkerung zu rufen, um vor Augen zu führen, was genau sich denn nun verbessert hat und auch, wo weiterhin Defizite bestehen.

„Abenteuer Grüne Blau“ wäre kein übertriebener Titel für diesen Band. Denn es gibt an der Blau entlang wirklich viel zu sehen, zu erleben, ja mit allen Sinnen zu erfahren. Ulmerinnen und Ulmer lieben die Blau im Fischerviertel und präsentieren sie als pittoreske Idylle stolz ihren Besuchern. Aber kennen diese Blau-Fans auch die vielen neuen kleinen Inseln und jungen „Altarme“ im Außenbereich? Die naturnahen Rampen und Fischtreppen? Das Krautgartenbläule, das den Blaukanal und die Blau verbindet? Die diversen „Blautreppen“, das Riesenmöbel beim Stadtregal mit einbezogen? Den Kobelgraben, den Hochwasserentlastungsgraben mit hohem Naturwert?

Größere Abschnitte des Flusslaufs waren in der Vergangenheit der Öffentlichkeit nicht zugänglich, da von der Industrie oder Gartenpächtern vereinnahmt. Heute sind Teile davon der Bürgerschaft zurückgegeben worden. Warum nicht alle? So manches Uferstück ist nach wie vor – bedauerlicherweise – in Privatbesitz, bei anderen sprechen gute Gründe des Naturschutzes dagegen. Denn es zählt auch der Schutz vor allzu vielen Zudringlichkeiten. Vielleicht gelingt es ja, den Artenrückgang bei den Vögeln zu stoppen und wieder in die andere Richtung zu bewegen?

Das Buch lockt auf einer abwechslungsreiche „Entdeckungsreise vor der eigenen Haustür“ – ob per Fahrrad die „große Blaurunde“ oder per pedes in der Innenstadt, der Weststadt und in Söflingen einfach immer nah an den Ufern entlang. Es hilft bei der Orientierung und gibt einen informativen Überblick darüber, warum die Blau so geworden ist, wie sie sich uns heute zeigt. Fotoapparat nicht vergessen!

Info:
„Die grüne Blau – Ulms längster Landschaftspark“; ca. 120 Seiten, 4 Euro

Herausgeber: Stadt Ulm, Fachbereich Stadtentwicklung, Bau und Umwelt
in Zusammenarbeit mit dem BUND- Kreisverband Ulm
erhältlich im BUND-Umweltzentrum, im Agenda-Büro sowie im Ulmer Buchhandel



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