Die Ergebnisse des Stresstests incl. Audit wurden am 29. Juli 2011 der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt (die Dokumente sind unter www.schlichtung-s21.de/stresstest-21.html zu finden). Die Diskussion über den Stresstest litt und leidet darunter, dass die Deutsche Bahn (DB) vorab die Botschaft veröffentlichte, das Projekt habe den Stresstest bestanden.
Bedauerlicherweise konnten viele Sachargumente zum Thema „Stresstest" aus Zeitgründen nicht mehr öffentlich präsentiert und insbesondere diskutiert sowie vor allem geklärt werden. Auch im Anschluss war eine sachliche Auseinandersetzung kaum möglich, da die öffentliche Diskussion vom überraschenden Vorschlag des Schlichters zugunsten eines kombinierten Durchgangs- und Kopfbahnhofes (SK 2.2) überlagert wurde.
Bei aller noch während der Präsentation erfolgten Gegenrede der DB-Vertreter: Die Fülle und Detailschärfe der Kritikpunkte an Stresstest bzw. an S 21 ingesamt muss zu Konsequenzen führen. - Der so genannte Stresstest weist lediglich nach, dass S 21 unter günstigen Annahmen in der Lage wäre, 49 Züge pro Stunde zu bewältigen. Hierbei werden jedoch teilweise sehr kurze Haltezeiten unterstellt, häufig fehlen Pufferzeiten, die Umsteigebeziehungen sind schlecht und Stör- oder Notfälle im Bahnbetrieb wurden nicht vorgesehen. Auch Kapazitäten für eine weitere Steigerung des Bahnverkehrs sind bei S 21 kaum vorhanden. Das auditierende Unternehmen SMA konstatiert der Bahn nicht weniger als 60 Verstöße gegen geltende Regeln und Vorgaben – und: Keines der fünf vorgegebenen Kriterien des Landes wurde vollumfänglich erfüllt.
49 Züge in der Spitzenstunde würden einen Zuwachs um 30 % gegenüber heute bedeuten. Der heutige Kopfbahnhof hat jedoch eine weit höhere Leistungsfähigkeit – der ehemalige Leiter des Stuttgarter Hauptbahnhofes geht von bis zu 54 Zügen pro Stunde aus. Trotz der günstigen Annahmen würde folglich S 21 nicht einmal die Leistungsfähigkeit des heutigen Bahnhofes erreichen!
Nach Aussagen der DB ist bis 2025 von einem 25 %igen Wachstum im Personenverkehr auf der Schiene auszugehen (im Güterverkehr gar von 65 %!). Die EU geht bis 2050 von einem Zuwachs im Schienen-Personenverkehr zwischen 35 % und über 100 % aus. Bereits diese Zuwächse würden S 21 überfordern. Würde in Deutschlands eines Tages gar in ähnlichem Umfang die Bahn genutzt werden wie bereits heute in der Schweiz (15 % aller Fahrten), müsste bei uns der Verkehr auf der Schiene um 86 %, die Zahl der Züge um 68 % wachsen. S 21 wäre damit überfordert!
Diese Argumente lassen sich nicht einfach vom Tisch wischen. S 21 führt zumindest in seiner jetzigen Form zu einem Rückschritt in südwestdeutschen Bahnverkehr. Daher ist ein Weiterbau von S 21 unverantwortlich, zumal die Landesregierung das Volk über den Finanzierungsanteil des Landes noch abstimmen lassen will.